Im Rahmen des Wissenschaftsbotschafter:innen-Programms der OeAD besuchte Univ. Prof. Michael Tost vom Lehrstuhl für Bergbaukunde, Bergtechnik und Bergwirtschaft der Montanuniversität Leoben die 4. Klassen des BRG/BORG Wolfsberg in Kärnten und gestaltete einen lebendigen, interaktiven Workshop zum Thema Nachhaltigkeit im Bergbau. Der Vortrag verknüpfte Umweltfragen, wirtschaftliche Zusammenhänge und soziale Verantwortung auf eine Weise, die die Schülerinnen und Schüler von der ersten Minute an in ihren Bann zog.
Den Einstieg bildete eine zunächst einfach wirkende Frage: Welche Materialien stecken eigentlich in unseren Smartphones und woher kommen sie? Schnell wurde klar, dass in jedem modernen Gerät eine Vielzahl seltener und kritischer Rohstoffe steckt: Kobalt, Lithium, seltene Erden ….., gewonnen in Bergbaubetrieben auf der ganzen Welt. Diese Alltagsperspektive machte die globale Abhängigkeit von mineralischen Ressourcen für die Jugendlichen unmittelbar greifbar.
Besonders in Erinnerung blieb das Bild des Marmorkuchens: Univ. Prof. Tost erklärte damit anschaulich, wie Geowissenschaftlerinnen und Geowissenschaftler bei der Exploration vorgehen, nämlich durch Bohrungen, die nur punktuelle Einblicke ins Gestein erlauben, ähnlich wie ein Kernstück aus einem Kuchen noch nicht verrät, wie gleichmäßig der Marmor verteilt ist. Bergbauingenieurinnen und -ingenieure müssen aus solchen Bohrkernproben auf das Vorkommen und die Qualität eines gesamten Erzkörpers schließen, ein Gedanke, der die Klassen sichtlich faszinierte.
Eindrucksvolle Bilder und Größenvergleiche veranschaulichten die gewaltige Dimension moderner Bergbauoperationen: mehrere hundert Meter tiefe Tagebaugruben, gigantische Förderbagger und kontrollierte Sprengungen, die in Sekundenbruchteilen tausende Tonnen Gestein lösen. Vorgestellt wurden auch die sogenannten Muldenkipper, riesige Spezial-LKW mit einer Nutzlast von bis zu mehreren hundert Tonnen, die das Herzstück jedes Tagebaubetriebs bilden. In diesem Zusammenhang hob Univ. Prof. Tost hervor, dass auch Frauen im Bergbau nicht nur längst angekommen sind, sondern erweisen sich beim Führen dieser riesigen Fahrzeuge häufig als besonders präzise und umsichtige Fahrerinnen. Ihre Sorgfalt und Konzentration machen sie zu gefragten Fachkräften, ein Aspekt, der gerade bei den Schülerinnen großes Interesse weckte und zeigte, dass der Bergbau als Berufsfeld weit vielfältiger ist, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Univ. Prof. Tost widmete sich auch der Frage, was nach dem Bergbau kommt. Durch gezielte Rehabilitation und Rekultivierung können ehemalige Abbaugebiete renaturiert oder völlig neu genutzt werden und hier präsentierte er ein Beispiel, das wohl niemanden kalt ließ, das Eden Project in Cornwall, England. In einer ehemaligen Kaolingrube entstand dort eines der spektakulärsten Umweltprojekte der Welt. Mit tausenden Tonnen Erde aufgefüllt, beherbergt das Gelände heute die zwei größten Gewächshäuser der Welt, sogenannte Biome, in denen über eine Million Pflanzenarten aus den verschiedensten Klimazonen gedeihen, darunter ein tropischer Regenwald und ein mediterranes Ökosystem. Heute ist das Eden Project ein international bekanntes Bildungs- und Kulturzentrum. Ein ehemaliger Tagebau als
blühendes Naturparadies, schöner lässt sich das Potenzial nachhaltiger Bergbaunachnutzung kaum zeigen.
Der Workshop von Univ. Prof. Michael Tost hat gezeigt, wie lebendig und nahbar Wissenschaft sein kann, wenn sie gut vermittelt wird. Die Schülerinnen und Schüler nahmen ein differenziertes Bild davon mit, wie komplex die Rohstoffversorgung unserer Gesellschaft ist und welche Verantwortung, für Wissenschaft, Politik und jeden Einzelnen, damit einhergeht. Kritisches Denken wurde angeregt, Interesse an Geowissenschaften, Umweltthemen und nachhaltigem Wirtschaften geweckt. Wir danken Univ. Prof. Tost von der Montanuniversität Leoben herzlich für diesen inspirierenden und bereichernden Besuch.
Prof. Daniela Zettl, BRG/BORG Wolfsberg